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MISSION POSSIBLE ODER DIE GESCHICHTE VOM LUSTVOLLEN VERSCHWENDEN - Cradle-to-Cradle
Zwei Akademiker wollen die Welt retten: Der eine ist William McDonough, Amerikaner und Architekt, der andere Michael Braungart, Deutscher und Chemiker. Sie fordern „die Nächste Industrielle Revolution“ und glauben auch zu wissen, wie das geht: „Man muss alles einfach nur neu erfinden.“ Dem Slogan „Sparen, Verzichten, Vermeiden“ setzen sie die These „Intelligent produzieren“ entgegen. Damit könnten ihrer Meinung nach die großen Probleme der Menschheit – vor allem aber das vermeintliche Problem der Überbevölkerung und der Ressourcenknappheit – gelöst werden. Man müsste es nur so machen wie die Ameisen, lautet ihre Empfehlung, dann könnte die Erde sogar 12 Milliarden Menschen ernähren.
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Die Ameisen haben zwar die vierfache Biomasse aller Menschen auf diesem Planeten, dennoch sind sie für ihn keine Bedrohung. Sie seien nicht schädlich, sondern nützlich, da Ameisen alle Nährstoffe wieder in den biologischen Kreislauf zurück bringen. Der gravierende Unterschied zwischen den Menschen und den Ameisen ist: Wir produzieren Müll.
Und da setzt die so genante Cradle-to-Cradle Theorie an – von der Wiege bis zur Wiege . Wenn die Menschen alle Produkte so neu gestalten würden, dass sie nach ihrem Gebrauch wieder in biologische oder technische Kreisläufe zurückgeführt werden könnten, dann gäbe es keinen Müll mehr – aus Abfall entstünden Nährstoffe, davon sind die beiden Kritiker der heutigen Umweltpolitik überzeugt.
Sind McDonough und Braungart nur „grüne Spinner“, ökoromantische Träumer oder ist ihr Konzept tatsächlich umsetzbar? Wie realistisch ist ihre Vision? Ist eine Welt denkbar, in der man nicht verzichten, vermeiden, sparen muss, sondern verschwenderisch mit Ressourcen umgehen kann?
Die Dokumentation ist kein Umweltfilm. Sie zeigt vielmehr, wie internationale Konzerne und Großunternehmen bereits auf diese Idee eingehen und Teile ihrer Produktpalette auf Cradle-to-Cradle umgestellt haben. Deren Vorstandsvorsitzenden lassen Materialien „neu“ erfinden, weil sie damit eine Optimierung ihrer Produkte erreichen, die somit nicht nur innovativ sind, sondern zukünftig auch ökonomische Vorteile bieten werden. So hat die Dessous-Firma Triumph International jüngst in Zusammenarbeit mit der Firma Elastic Textile Europe GmbH eine Wäschekollektion auf den Markt gebracht, deren gesamte Materialien so herausgesucht wurden, dass sie völlig kompostierbar sind. BHs, Slips und Shirts erfüllen zudem alle Qualitäts- und Designansprüche und die Produkte müssen nach Gebrauch nicht mehr in der Müllverbrennung landen – sie gelangen in den biologischen Kreislauf zurück, werden wieder zu Humus und sind somit nützlich.
Inzwischen gibt es auch Teppichböden und Teppichfliesen, deren Materialien so gestaltet wurden, dass die eingesetzten Garne immer wieder neu für Teppiche versponnen werden können, und auch die ansonsten mit Chemie voll gepumpten Teppichrückseiten können wieder als Teppichrückseite verwendet werden. Es gibt also keinen Abfall mehr, keinen Sondermüll, alle Materialien gelangen wieder in den technischen Kreislauf zurück.
„Firmen für diesen neuen Weg sensibel zu machen, das geht nicht von heute auf morgen. Es ist schon grandios, dass sich überhaupt Unternehmen dafür engagieren und sich auf diese machbaren Experimente einlassen“, sagt Beatrice Sonhüter.
Der Film zeigt, was in der deutschen Abfallindustrie gründlich falsch läuft und dokumentiert die Vernetzungen, die beispielsweise in den Niederlanden seit 2007 entstanden sind, beschreibt, wie Produkt-Designer mit Materialentwicklern und der Abfallwirtschaft kooperieren, damit sowohl die biologischen, als auch die technischen Kreisläufe mit den neu gestalteten Produkten geschlossen werden können. Es kommen Vorstandsvorsitzende zu Wort, die erklären, warum sie ihre Unternehmen nach dem Cradle-to-Cradle Konzept umgestalten und neu ausrichten wollen, darunter Andrea Ragnietti (Philipps, Amsterdam), Stef Kranendijk (Desso, Waalwijk), Frans Beckers (Van Gansewinkel Group, Amsterdam), Prof. Michael Popp (Bionorica, Neumarkt/Oberpfalz), Reinhard Backhausen (Backhausen Design, Wien), Norbert Rethmann (Remondis Gruppe, Lünen).
„Mission possible oder Die Geschichte vom lustvollen Verschwenden“ ist eine Colonia Media Produktion (Produzentin: Winka Wulff) im Auftrag des WDR für das Erste.
Ein Ausstrahlungstermin steht noch nicht fest.
Quelle/Bild: Beatrice Sonhüter - Dokumentarfilmerin
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